Teilhabe aus theoretischer und praktischer Sicht

Der Begriff und seine Umsetzung am Beispiel
schwer psychisch kranker Menschen

Die vor­lie­gen­de Arbeit beschäf­tigt sich mit dem Begriff der Teil­ha­be und sei­ner Umset­zung am Bei­spiel schwer psy­chisch kran­ker Men­schen. Es wird der Fra­ge nach­ge­gan­gen, wie sich der Begriff theo­re­tisch dar­stel­len lässt und sei­ne prak­ti­sche Umset­zung kon­kret gemes­sen wer­den kann. Dies gilt beson­ders vor dem Hin­ter­grund der pre­kä­ren Daten­la­ge hin­sicht­lich die­ses The­mas. Ziel ist es, den kom­ple­xen Begriff zu erläu­tern, ihn in einen aktu­el­len, gesell­schaft­li­chen Gesamt­zu­sam­men­hang zu brin­gen und eine Mög­lich­keit zur Erfas­sung von Teil­ha­be auf­zu­zei­gen. Hier­für fin­det eine Repli­ka­ti­on der „BAES­CAP-Stu­die“ („Bewer­tung aktu­el­ler Ent­wick­lun­gen der sozi­al­psych­ia­tri­schen Ver­sor­gung auf Basis des Capa­bi­li­ties-Approa­ches und der Behin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on der Ver­ein­ten Natio­nen“) statt.
Ins­ge­samt konn­ten vie­le der Teil­ha­be­ein­schrän­kun­gen, die das Ergeb­nis der BAES­CAP-Stu­die waren, in der Repli­ka­ti­on ten­den­zi­ell bestä­tigt wer­den, wenn­gleich die unter­schied­li­che Ver­tei­lung in der Stich­pro­be bei den Dia­gno­sen und den Betreu­ungs­for­men zu berück­sich­ti­gen ist.
Im Ergeb­nis wird deut­lich, dass die Teil­ha­be schwer psy­chisch kran­ker Men­schen oft­mals ein­ge­schränkt ist. Dies zeigt sich über alle erho­be­nen Berei­che – Woh­nen, Aus­bil­dung, Erwerbs­tä­tig­keit, Gesund­heit, Frei­zeit, sozia­le Bezie­hun­gen und Stig­ma­ti­sie­rung – hin­weg. Ergän­zend wer­den indi­vi­du­el­le Gestal­tungs­spiel­räu­me (Ver­wirk­li­chungs­chan­cen) im Sin­ne des Capa­bi­li­ties Approachs erfasst. Es kön­nen schließ­lich ent­schei­den­de Ein­fluss­fak­to­ren auf die Höhe die­ser Ver­wirk­li­chungs­chan­cen her­aus­ge­ar­bei­tet wer­den: Eine gute sozia­le Unter­stüt­zung, gerin­ge Stig­ma­er­fah­run­gen und weni­ge gesund­heit­li­che Ein­schrän­kun­gen wir­ken sich in bei­den Erhe­bun­gen posi­tiv auf die Ver­wirk­li­chungs­chan­cen aus (in der „BAES­CAP-Stu­die“ konn­te zusätz­lich ein Effekt der Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten ver­zeich­net wer­den).
Auf Grund­la­ge der Ergeb­nis­se soll­te zukünf­tig die Selbst­be­stim­mung von schwer psy­chisch kran­ken Men­schen im Bereich Woh­nen ver­bes­sert wer­den. Des Wei­te­ren soll­ten inklu­si­ve Struk­tu­ren die Chan­cen auf Aus­bil­dung und Erwerbs­tä­tig­keit erhö­hen und die Ein­bin­dung in Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten ermög­li­chen. Auch der Bereich der Gesund­heit soll­te von der Ein­glie­de­rungs­hil­fe ver­stärkt in den Blick genom­men wer­den. Zusätz­lich ist die Stig­ma­ti­sie­rung von Men­schen mit psy­chi­schen Erkran­kun­gen zu the­ma­ti­sie­ren und aktiv abzu­bau­en. Um schließ­lich die Ver­wirk­li­chungs­chan­cen zu ver­bes­sern, soll­te an den beschrie­be­nen Ein­fluss­grö­ßen gear­bei­tet und eine res­sour­cen­ori­en­tier­te Per­spek­ti­ve im Sin­ne des Reco­very Ansat­zes ein­ge­nom­men wer­den.