Stop Stalking – aber wie?

Eine empi­ri­sche Unter­su­chung zur Moti­va­ti­on und den Ent­ste­hungs­be­din­gun­gen des Stal­kings im Gen­der­ver­gleich

Bei der Bera­tungs­ein­rich­tung „Stop-Stal­king Ber­lin“ han­delt es sich um eine der weni­gen fach­lich ein­schlä­gi­gen Ein­rich­tun­gen, die Ange­bo­te spe­zi­ell für Stalking-Täter(innen) anbie­tet. Seit 2008 wer­den dort auf Grund­la­ge bin­dungs­theo­re­ti­scher und sche­ma­the­ra­peu­ti­scher Annah­men Per­so­nen bera­ten, die sich ent­we­der frei­wil­lig oder auf­grund einer behörd­li­chen Wei­sung an die Bera­tungs­stel­le wen­den.

Die vor­lie­gen­de Unter­su­chung stützt sich auf die von dem Berater(innen)-Team erfass­ten quan­ti­ta­ti­ven und qua­li­ta­ti­ven Kli­en­ten­da­ten aus fünf Jah­ren und ver­folgt das Ziel, eine Über­sicht bezüg­lich der demo­gra­fi­schen Varia­blen der Hil­fe­su­chen­den sowie eine Ana­ly­se der von den Täter(innen) kom­mu­ni­zier­ten moti­va­tio­na­len Beweg­grün­den für ihr Stal­king-Ver­hal­ten zu geben. Für die Dar­stel­lung des Kli­en­ten­krei­ses erfolg­te die Aus­wer­tung der
rund 80 Items umfas­sen­den Stamm­da­ten­mas­ke mit­tels deskrip­ti­ver uni­va­ria­ter und biva­ria­ter Sta­tis­ti­ken. Um die Moti­ve zu ana­ly­sie­ren, wur­de auf Grund­la­ge des bis­he­ri­gen empi­ri­schen Erkennt­nis­stands hin­sicht­lich der Gene­se von Stal­king ein Kate­go­ri­en­sys­tem ent­wi­ckelt, wel­ches zur Struk­tu­rie­rung des qua­li­ta­ti­ven Text­ma­te­ri­als dien­te. Das ursprüng­li­che Kate­go­ri­en­sys­tem konn­te im Lau­fe der Text­ana­ly­se ergänzt und aus­dif­fe­ren­ziert wer­den, sodass es letzt­lich 5 Haupt- und 27 Sub­ka­te­go­ri­en umfass­te.

Die deskrip­ti­ve Aus­wer­tung des Mate­ri­als ergab, dass sich das Bera­tungs­kli­en­tel der Ein­rich­tung größ­ten­teils aus gebil­de­ten, allein­ste­hen­den, kin­der­lo­sen und aus Ber­lin stam­men­den Per­so­nen zusam­men­setzt, die sich aus eige­ner Moti­va­ti­on her­aus an das
Berater(innen)-Team wen­de­ten. Wei­ter­hin ist der hohe Anteil weib­li­cher Täter (39,1 %), Ex-Partner-Stalker(innen) (62,8 %) und die Ver­wen­dung eher leich­te­rer Stal­king-Metho­den her­vor­zu­he­ben. Eini­ge Per­so­nen (22,7 %) waren zum Zeit­punkt des Stal­kings arbeits­los und nur weni­ge wie­sen eine kri­mi­nel­le oder durch Sub­stanz­miss­brauch gekenn­zeich­ne­te Vor­ge­schich­te auf. Als For­schungs­er­geb­nis der qua­li­ta­ti­ven Inhalts­ana­ly­se ist fest­zu­hal­ten, dass auf Sei­ten der männ­li­chen Täter gehäuft frü­he Ver­lus­ter­fah­run­gen (i.d.R. Ver­lust des Vaters), Schwie­rig­kei­ten bei der Auf­nah­me von sozia­len Bezie­hun­gen, oft bereits seit der Kind­heit, sowie Unzu­frie­den­hei­ten in der aktu­el­len beruf­li­chen oder
finan­zi­el­len Situa­ti­on bestan­den. Bei den weib­li­chen Tätern fand sich über­wie­gend eine Unzu­frie­den­heit bezüg­lich der aktu­el­len Paar­be­zie­hung und dem sozia­len Umfeld. Geschlechts­über­grei­fend zeich­ne­te sich ab, dass bereits in der Vor­be­zie­hung zwi­schen Opfer und Täter(in) ambi­va­len­te Mecha­nis­men (Tren­nun­gen, Untreue, Ver­söh­nun­gen) bestan­den, die ver­mut­lich mit dem spä­te­ren Stal­king in einem Ent­ste­hungs­zu­sam­men­hang zu betrach­ten sind.

Die­se Ergeb­nis­se legen den Schluss nahe, dass in Fäl­len von Ex-Part­ner-Stal­king oft­mals auch die Opfer Schwie­rig­kei­ten auf­wei­sen, eine Part­ner­tren­nung zu voll­zie­hen und die Vor­be­zie­hung zwi­schen Täter(in) und Opfer Ante­ze­den­zen für das spä­te­re Nach­stel­lungs­ver­hal­ten auf­weist.