Sexueller Missbrauch an Kindern durch Frauen

Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Täterinnenschaft und eine Empfehlung für ein sozialtherapeutisches Behandlungsangebot

Sexu­el­ler Miss­brauch an Kin­dern durch Frau­en stellt ein Phä­no­men dar, wel­ches in der (Fach-)Öffentlichkeit wei­test­ge­hend unbe­ach­tet bleibt. Vor allem im deutsch­spra­chi­gen Raum lie­gen kaum Erkennt­nis­se über die Täte­rin­nen und deren Taten vor. Unbe­strit­ten scheint ein­zig, dass es Täte­rin­nen gibt.
Anknüp­fend dar­an stellt sich die Fra­ge, wie die­se Täte­rin­nen the­ra­peu­tisch erreicht wer­den kön­nen, damit wei­te­rer Miss­brauch ver­hin­dert wer­den kann. Auch dar­über gibt es im deutsch­spra­chi­gen Raum de fac­to kei­ner­lei Erkennt­nis­se. In der Pra­xis feh­len ent­spre­chen­de Ant­wor­ten und Angebote.

In die­ser Ver­öf­fent­li­chung wer­den die vor­han­de­nen Erkennt­nis­se über Frau­en, die Kin­der sexu­ell miss­brau­chen dar­ge­stellt. Ein­füh­rend wer­den genutz­te Begriff­lich­kei­ten defi­niert. Es folgt eine Dar­stel­lung der aktu­el­len Prä­va­lenz sowie rele­van­ter Erklä­rungs­mo­del­le und Sicht­wei­sen zum sexu­el­len Miss­brauch an Kin­dern.
Dar­an anknüp­fend wer­den Frau­en als Täte­rin­nen des sexu­el­len Kin­des­miss­brauchs in den Fokus gerückt, wobei der aktu­el­le For­schungs­stand eben­so wie Erkennt­nis­se aus dem Hell- und Dun­kel­feld
zusam­men­ge­fasst wer­den. Infor­ma­tio­nen zu den Opfern sowie den Taten wer­den anschlie­ßend abge­bil­det und dem Wis­sen über die Täte­rin­nen und deren Per­sön­lich­kei­ten gegen­über­ge­stellt. Abschlie­ßend wer­den ver­schie­de­ne Täte­rin­nen­ty­po­lo­gien auf­ge­zeigt und ein Blick auf die aktu­el­le Ver­sor­gungs­si­tua­ti­on mit Behand­lungs­kon­zep­ten in Deutsch­land gewor­fen.
Resul­tie­rend aus die­sen Ergeb­nis­sen wird ein sozi­al­the­ra­peu­ti­sches Behand­lungs­an­ge­bot ent­wi­ckelt. Zunächst wer­den grund­le­gen­de Vor­über­le­gun­gen dar­ge­stellt. Not­wen­di­ge Rah­men­be­din­gun­gen wer­den
abge­steckt, die u.a. die Anfor­de­run­gen an das Behand­lungs­kon­zept ent­hal­ten, den the­ra­peu­ti­schen Hin­ter­grund dar­stel­len und Aus­sa­gen zum Behand­lungs­team, Zie­len, Ziel­grup­pe, Behand­lungs­struk­tur und The­ra­pie­set­ting umfas­sen. Es folgt eine detail­lier­te Dar­stel­lung des Behand­lungs­ver­lau­fes, der Vor­schlä­ge für Ein­zel- und Grup­pen­the­ra­pie inklu­diert. Im Rah­men einer aus­führ­li­chen Dar­stel­lung der mög­li­chen Zie­le
der Grup­pen­the­ra­pie wird eine Tei­lung in drei ver­schie­de­ne Pha­sen ersicht­lich: das Erler­nen von sozia­len Fähig- und Fer­tig­kei­ten ist eben­so not­wen­dig wie die Auf­ar­bei­tung des began­ge­nen sexu­el­len Kin­des­miss­brauchs sowie einer fun­dier­ten Rück­fall­pro­phy­la­xe. Es fol­gen Gedan­ken zum mög­li­chen Abschluss der Maß­nah­me, Koope­ra­ti­ons­part­nern, Mög­lich­kei­ten der Qua­li­täts­si­che­rung und Eva­lua­ti­on.
Abschlie­ßend wird ein Aus­blick in einen wei­ter­füh­ren­den Dis­kurs gewagt.
Die­se Ver­öf­fent­li­chung ist einer­seits ein Grund­stein für die Behand­lung von Täte­rin­nen sexu­el­len Kin­des­miss­brauchs und trägt ande­rer­seits zur wei­te­ren Aus­ein­an­der­set­zung sowie Fort­ent­wick­lung der Arbeit mit die­ser Per­so­nen­grup­pe bei. Sie sen­si­bi­li­siert für das The­ma des sexu­el­len Kin­des­miss­brauchs durch Frau­en und rückt die­sen For­schungs­ge­gen­stand in den wis­sen­schaft­li­chen Dis­kurs. Wei­te­re (Forschungs-)Arbeit muss erwirkt wer­den, da wenig ver­läss­li­che bzw. ver­gleich­ba­re Stu­di­en vorliegen.