Schizophrene Psychose – Behandlungsmöglichkeiten und die Rolle der Sozialen Arbeit

Die schi­zo­phre­ne Psy­cho­se ist nicht nur eine Krank­heit. Die­se Dia­gno­se hat vie­le Namen, vie­le Stig­ma­ta und gehört zu den schwer­wie­gends­ten Krank­hei­ten welt­weit – neben Depres­si­on und Alko­ho­lis­mus. Die Men­schen begeg­nen ihr mit Angst und kön­nen sich nur schwer in die Betrof­fe­nen hin­ein­ver­set­zen. Die Betrof­fe­nen selbst und auch ihre Ange­hö­ri­gen müs­sen ler­nen mit die­ser Erkran­kung zu leben, denn die Hei­lungs­chan­cen sind gering und die Fol­gen die­ses Krank­heits­bil­des betref­fen nahe­zu alle Lebens­be­rei­che. Häu­fig haben die Betrof­fe­nen zum Zeit­punkt der Erst­dia­gno­se noch nicht ein­mal ihr 30. Lebens­jahr voll­endet und leben nicht sel­ten (iso­liert) in pre­kä­ren Lebens­si­tua­tio­nen. Mit oder ohne the­ra­peu­ti­scher Begrün­dung wur­den in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten eine Viel­zahl von The­ra­pie­me­tho­den an schi­zo­phre­nen Men­schen durch­ge­führt. Auf die­se Wei­se ent­stand ein mehr­di­men­sio­na­les Behand­lungs­ver­ständ­nis, was die Betrof­fe­nen dar­in unter­stütz­ten soll, ein wei­test­ge­hend auto­no­mes Leben – außer­halb einer Psych­ia­trie – zu füh­ren.

Die vor­lie­gen­de Bache­lort­he­sis setzt sich mit den Behand­lungs­mög­lich­kei­ten einer schi­zo­phre­nen Psy­cho­se aus­ein­an­der und beleuch­tet dabei die Rol­le der (Kli­ni­schen) Sozi­al­ar­beit.

Ein­gangs wer­den theo­re­ti­sche Grund­la­gen zum besag­ten Stö­rungs­bild vor­ge­stellt. Die­se umfas­sen die Dia­gno­se­kri­te­ri­en, die unter­schied­li­chen For­men einer schi­zo­phre­nen Psy­cho­se ent­spre­chend dem ICD-10, die Ätio­lo­gie, die Epi­de­mio­lo­gie und der Ver­lauf. Im Anschluss wer­den ver­schie­de­ne The­ra­pie­an­sät­ze kurz vor­ge­stellt, ehe dann die Psy­choedu­ka­ti­on und das Inte­grier­te Psy­cho­lo­gi­sche The­ra­pie­pro­gramm (IPT) im Beson­de­ren erör­tert wer­den. Hier­bei wird am Ende jeweils der Bezug zum Psych­ia­tri­schen Zen­trum Rick­ling her­ge­stellt. Die­ses unter­hält eine soge­nann­te „Schi­zo­phre­nie-Sta­ti­on“, die sich vor­ran­gig auf die­ses Stö­rungs­bild spe­zia­li­siert hat. Auf die­ser Sta­ti­on wird ein bis zwei Mal in der Woche eine Psy­choedu­ka­ti­on und das IPT durch­ge­führt. Die Pati­en­tIn­nen sol­len die Psy­choedu­ka­ti­ons­grup­pe „Pega­sus“ min­des­tens ein­mal im Gan­zen durch­lau­fen, ehe sie ent­las­sen wer­den. Dies soll u.a. den soge­nann­ten „Dreh­tür­ef­fekt“ vie­ler Betrof­fe­ner redu­zie­ren.

Im Anschluss wird kurz die Kli­ni­sche Sozi­al­ar­beit als Fach­so­zi­al­ar­beit vor­ge­stellt. In die­sem Kapi­tel liegt der Fokus vor­ran­gig auf der his­to­ri­schen Ent­wick­lung der Kli­ni­schen Sozi­al­ar­beit, ihrem Selbst­ver­ständ­nis, ihrer Ziel­grup­pe und dem Auf­ga­ben­spek­trum. Wei­ter­hin wer­den die Chan­cen der Kli­ni­schen Sozi­al­ar­beit in Deutsch­land beleuch­tet. Die anschlie­ßen­de Dis­kus­si­on will erneut den Pra­xis­be­zug zum Theo­rie­teil her­vor­he­ben und gibt einen Über­blick über das (teil­wei­se unglück­li­che) Ver­hält­nis der Sozia­len Arbeit zur Medi­zin. Anschlie­ßend wird erneut der Bedarf an The­ra­pie­for­men wie der Psy­choedu­ka­ti­on und dem IPT in der Behand­lung einer schi­zo­phre­nen Psy­cho­se unter­stri­chen. Ange­sichts des Anspru­ches einer ganz­heit­li­chen Behand­lung wird die Not­wen­dig­keit der Inte­gra­ti­on von Kli­ni­schen Sozi­al­ar­bei­te­rIn­nen in inter­dis­zi­pli­nä­re Teams und in die Behand­lungs­pla­nung erör­tert. In Deutsch­land hat die Kli­ni­sche Sozi­al­ar­beit noch immer eini­ge Wider­stän­de in der Pra­xis zu über­win­den, die eben­falls im Dis­kus­si­ons­teil beleuch­tet wer­den. So wer­den Kli­ni­schen Sozi­al­ar­bei­te­rIn­nen teil­wei­se noch immer in ihren Hand­lungs­kom­pe­ten­zen und Inter­ven­tio­nen unter­schätzt.

Fakt ist aller­dings, dass schi­zo­phre­ne Men­schen von die­ser Fach­so­zi­al­ar­beit pro­fi­tie­ren wür­den, da Kli­ni­sche Sozi­al­ar­bei­te­rIn­nen ihr Wis­sen über das Krank­heits­bild und die jewei­li­gen Inter­ven­tio­nen im Rah­men ihres psy­cho-sozia­len-Behand­lungs­ver­ständ­nis­ses auf den Ein­zel­fall anwen­den kön­nen. Folg­lich endet die Bache­lort­he­sis mit der Hoff­nung, dass die Kli­ni­sche Sozi­al­ar­beit die bestehen­den Hin­der­nis­se über­win­den kann, da sie einen wich­ti­gen Bei­trag zur The­ra­pie der schi­zo­phre­nen Psy­cho­se bei­tra­gen und die Behand­lung die­ses Stö­rungs­bil­des noch effek­ti­ver gestal­ten kann.