Geflüchtet und traumatisiert — die ersten Monate nach der Ankunft

Sozialarbeiterische Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit Fluchterfahrung und Traumatisierung in Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer

Men­schen mit Flucht­er­fah­rung machen häu­fig sowohl in ihrem Her­kunfts­land als auch wäh­rend der Flucht trau­ma­ti­sche Erfah­run­gen. Gleich­zei­tig sind sie oft­mals auch im Auf­nah­me­land mit post­mi­gra­to­ri­schen Belas­tungs­fak­to­ren kon­fron­tiert, z.B. durch einen unsi­che­ren Auf­ent­halts­sta­tus oder Erfah­run­gen von Ras­sis­mus und Dis­kri­mi­nie­rung. Dies kann die bio­psy­cho­so­zia­le Gesund­heit von Men­schen mit Flucht­er­fah­rung erheb­lich beein­träch­ti­gen und ein erhöh­tes Risi­ko für Trau­ma­fol­ge­stö­run­gen oder ande­re psy­chi­sche Erkran­kun­gen bedin­gen. Dabei ist die Ent­ste­hung und Ver­ar­bei­tung einer Trau­ma­ti­sie­rung (eben­so wie von ande­ren psy­chi­schen Erkran­kun­gen) wesent­lich vom sozia­len Kon­text und von sozia­len Erfah­run­gen abhän­gig, was durch das Kon­zept der sequen­ti­el­len Trau­ma­ti­sie­rung nach Keil­son bzw. Becker und Wey­er­mann deut­lich wird. Für eine umfas­sen­de bio­psy­cho­so­zia­le Ver­sor­gung von Men­schen mit Flucht­er­fah­rung und Trau­ma­ti­sie­rung ist eine inter­dis­zi­pli­nä­re Zusam­men­ar­beit von Psy­cho­the­ra­peutinnen, Ärztinnen, Anwältinnen und Sozi­al­ar­bei­terinnen not­wen­dig, wie sie z.B. in Psy­cho­so­zia­len Zen­tren für Flücht­lin­ge und Fol­ter­op­fer (PSZ) ange­bo­ten wer­den kann. Kli­ni­sche Sozi­al­ar­beit in PSZ zielt dar­auf ab, die psy­cho­so­zia­le Belas­tung von Men­schen mit Flucht­er­fah­rung und Trau­ma­ti­sie­rung zu redu­zie­ren, ihre Hand­lungs­mög­lich­kei­ten zu erwei­tern und gesell­schaft­li­che Teil­ha­be zu ermög­li­chen. Dies geschieht bspw. durch psy­cho­so­zia­le Bera­tungs­an­ge­bo­te, die einer­seits durch lebens­welt­ori­en­tier­te Maß­nah­men, wie z.B. die Beglei­tung zum Asyl­ver­fah­ren, zur äuße­ren Sta­bi­li­sie­rung von Men­schen mit Flucht­er­fah­rung und Trau­ma­ti­sie­rung bei­tra­gen. Ande­rer­seits wird auch die inne­re Sta­bi­li­sie­rung der Men­schen durch Sozi­al­ar­bei­terinnen geför­dert (z.B. durch Reori­en­tie­rungs- oder Ima­gi­na­ti­ons­übun­gen). Hand­lungs­lei­tend ist dabei vor allem eine Res­sour­cen­ori­en­tie­rung und ‑akti­vie­rung, damit Men­schen mit Flucht­er­fah­rung und Trau­ma­ti­sie­rung dazu befä­higt wer­den, ihre eige­ne Hand­lungs­fä­hig­keit und Kom­pe­tenz (wie­der) zu ent­de­cken und zu ent­fal­ten. Aller­dings haben PSZ oft kei­ne nach­hal­ti­ge insti­tu­tio­nel­le Finan­zie­rungs­grund­la­ge – die War­te­zei­ten sind lang und fast jede zwei­te Anfra­ge muss abge­lehnt wer­den.