Entwicklung und Analyse einer Nachsorge-App für alkoholabhängige Menschen

Aus­gangs­punkt: Im Zeit­al­ter tech­no­lo­gi­scher Errun­gen­schaf­ten fin­den neue Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge wie zum Bei­spiel die Online-Bera­tung immer mehr Ein­zug in die Pra­xis Kli­ni­scher Sozi­al­ar­beit. Im Bereich der Rück­fall­pro­phy­la­xe alko­hol­ab­hän­gi­ger Men­schen soll auf­ge­zeigt wer­den, wel­che Chan­cen und Risi­ken sich aus einer Smart­pho­ne-App nach einer Ent­wöh­nungs­be­hand­lung erge­ben kön­nen. In Anbe­tracht hoher Rück­fall­quo­ten bei Abhän­gig­keits­er­kran­kun­gen, Ein­spar­run­gen im Gesund­heits­be­reich und Umstruk­tu­rie­rungs­pro­zes­se in der Nach­sor­ge, könn­ten inter­net­fä­hi­ge End­ge­rä­te eine dau­er­haf­te und zeit­na­he Behand­lung chro­ni­scher Erkran­kun­gen ermög­li­chen.

Metho­de: Um Erkennt­nis­se für die Digi­ta­li­sie­rung von Alko­hol­be­hand­lun­gen zu gewin­nen, wur­de eine inten­si­ve Lite­ra­tur­re­cher­che betrie­ben. Die ermit­tel­ten The­ra­pi­ein­hal­te aus bewähr­ten The­ra­pie­schu­len wur­den mit einer qua­li­ta­ti­ven Erhe­bung zusam­men­ge­führt. Die Groun­ded Theo­ry-Metho­de dien­te als Aus­wer­tungs­grund­la­ge der Exper­ten­in­ter­views. Um die Vor-und Nach­tei­le der Nach­sor­ge-App dis­ku­tie­ren zu kön­nen, wur­den ähn­li­che Pro­to­ty­pen-pro­jek­te her­an­ge­zo­gen. Die Teil­nah­me an einer Fach­kon­fe­renz zum The­ma Neue Medi­en in der Sucht­hil­fe trug zu wei­te­ren Beob­ach­tun­gen im aktu­el­len Dis­kurs bei.

Ergeb­nis­se: Die Unter­su­chung ergab, dass sich ver­hal­tens­the­ra­peu­ti­sche Inhal­te und Metho­den in digi­ta­ler Form leicht umwan­deln las­sen. Somit konn­te in einem inter­dis­zi­pli­nä­ren For­schungs­team der Fakul­tä­ten Kli­ni­scher Sozi­al­ar­beit und Infor­ma­tik, eine pra­xis­na­he Nach­sor­ge-App rea­li­siert wer­den. Die Nach­sor­ge-App besteht hier aus den Diens­ten Tage­buch, Ablen­kun­gen, Anlauf­stel­len und Not­fall­kof­fer. Indi­vi­du­el­le Ein­ga­ben sind über das Web­in­ter­face mög­lich und der Daten­schutz wird über eine PIN-Abfra­ge gewährt.

Diskussion/Ausblick: Die inter­view­ten Exper­tIn­nen befür­wor­ten den Ein­satz von Smart­pho­ne-Anwen­dun­gen in der Sucht­hil­fe. Die Chan­cen einer Nach­sor­ge-App wer­den in der Fort­füh­rung von Selbst­kom­pe­tenz­trai­ning, Eigen­stän­dig­keit und Moti­va­ti­on ver­mu­tet. Risi­ken könn­ten bei einer man­geln­den Auf­klä­rung hin­sicht­lich Inter­net und GPS, einer zu hohen Erwar­tungs­hal­tung bei Sucht­druck oder bei einer Exter­na­li­sie­rung von Schutz­ge­dan­ken und Schutz­hand­lun­gen ent­ste­hen. Zudem soll­te die Nach­sor­ge-App auf Wirk­sam­keit und Nütz­lich­keit hin über­prüft wer­den.