Dysfunktionaler Medienkonsum im Kindesalter – Auswirkungen, psychosoziale Interdependenzen und Handlungsperspektiven

Elek­tro­ni­sche Medi­en sind in der heu­ti­gen Zeit ohne Zwei­fel nahe­zu omni­prä­sen­te Beglei­ter des mensch­li­chen All­tags. Dabei hat sich das media­le Ange­bot wäh­rend der letz­ten Jahr­zehn­te rasant ent­wi­ckelt. Die Kin­der des 21. Jahr­hun­derts wach­sen unter Bedin­gun­gen auf, die vor­her kaum vor­stell­bar waren. Small und Vor­gan (2009: 10ff.) ver­mu­ten gar, dass die Trans­for­ma­ti­on der Lebens­be­din­gun­gen durch digi­ta­le Tech­no­lo­gi­en evo­lu­tio­nä­re Ver­än­de­rungs­pro­zes­se, in nie da gewe­se­ner Geschwin­dig­keit, zur Fol­ge hat.

Die­se Ent­wick­lun­gen haben – und dies soll hier expli­zit gesagt sein – mit Sicher­heit gro­ße Vor­tei­le für den Men­schen. So wer­den etwa in der Wis­sen­schaft Erkennt­nis­se zu Tage geför­dert, die ohne Hil­fe der neu­en Tech­no­lo­gi­en kaum mög­lich wären. Doch gibt es allen Anschein nach auch eine nega­ti­ve Sei­te der media­len Medail­le (vgl. Spit­zer 2008). So wer­den Medi­en heut­zu­ta­ge auch mit psy­cho-sozia­len Pro­ble­men wie Gewalt und Sucht in Ver­bin­dung gebracht (vgl. Six et al. 2007). Unter die­sem Aspekt muss sich Sozia­le Arbeit all­ge­mein und Kli­ni­sche Sozi­al­ar­beit im Spe­zi­el­len die Fra­ge stel­len, inwie­fern Medi­en als omni­prä­sen­ter Umwelt­fak­tor auf den Men­schen und sei­ne sozia­le Umwelt ein­wir­ken. Gera­de Kin­der, die sich heut­zu­ta­ge sozu­sa­gen mit den Medi­en ent­wi­ckeln, sind, wie gezeigt wer­den wird, auf­grund ihrer leich­ten bio-psy­cho-sozia­len ‚Beein­fluss­bar­keit’ beson­ders in den Fokus zu neh­men.

Ange­sichts des­sen beschäf­tigt sich die vor­lie­gen­de Arbeit mit der kind­li­chen Ent­wick­lung in einem media­li­sier­ten All­tag und des­sen Inter­de­pen­denz mit psy­cho-sozia­len Pro­ble­men und Stö­run­gen. Dabei wird ana­ly­siert, wann Medi­en pro­ble­ma­tisch wir­ken kön­nen und wie Sei­tens der Kli­ni­schen Sozi­al­ar­beit in ent­spre­chen­den Fäl­len inter­ve­niert wer­den kann.

Im ers­ten Teil wer­den die Grund­la­gen einer adap­ti­ven kind­li­chen Ent­wick­lung ange­ris­sen und anhand des­sen ein Arbeits­mo­dell dys­funk­tio­na­len Medi­en­kon­sums kon­stru­iert. Der nächs­te Teil illus­triert empi­ri­sche Erkennt­nis­se zu nega­ti­ven psy­cho-sozia­len Aus­wir­kung eines sol­chen Kon­sums.

Schließ­lich wird anhand drei­er Fall­bei­spie­le gezeigt, inwie­fern ein Blick auf das Medi­en­ver­hal­ten des Kin­des im Hil­fe­pro­zess wich­tig sein kann und wel­che Hand­lungs­ab­lei­tun­gen sich dar­aus erge­ben. Abschlie­ßend wer­den all­ge­mei­ne Arbeits­hy­po­the­sen aus den gewon­ne­nen Ein­zel­er­kennt­nis­sen kon­stru­iert.