Die soziale Dimension psychischer Krankheit und Gesundheit

Eine handlungstheoretische Wissensbasis der Klinischen Sozialen Arbeit in der Psychiatrie.

Die Mas­ter-The­sis befasst sich theo­rie- und empi­rie­ge­stützt mit der sozia­len Dimen­si­on von psy­chi­scher Krank­heit und Gesund­heit mit dem Ziel, eine hand­lungs­theo­re­ti­sche Wis­sens­ba­sis für die Kli­ni­sche Sozia­le Arbeit in der Psych­ia­trie zu ent­wi­ckeln. Dazu füh­ren fol­gen­de erkennt­nis- und hand­lungs­lei­ten­de Fra­gen durch die Arbeit: Was sind die Merk­ma­le der sozia­len Dimen­si­on von psy­chi­scher Krank­heit und Gesund­heit? Wie las­sen sich die Zusam­men­hän­ge zwi­schen psy­chi­schen Erkran­kungs-/Ge­sun­dungs­pro­zes­sen und der sozia­len Dimen­si­on erklä­ren? Wor­auf­hin soll die sozia­le Dimen­si­on psy­chi­scher Krank­heit ver­än­dert wer­den? Was ist die Zustän­dig­keit und die Funk­ti­on der Kli­ni­schen Sozia­len Arbeit in der inter­pro­fes­sio­nel­len Koope­ra­ti­on in der Psych­ia­trie und mit wel­chen Arbeits­wei­sen kann durch die Kli­ni­sche Sozia­le Arbeit die sozia­le Dimen­si­on psy­chi­scher Gesun­dungs­pro­zes­se beein­flusst wer­den?

Auf der Basis von For­schungs­er­geb­nis­sen zur sozia­len Dimen­sio­nen psy­chi­scher Erkrankung/Gesundheit und theo­re­ti­schen Erklä­rungs­mo­del­len zum Zusam­men­hang der sozia­len Dimen­si­on mit psy­chi­scher Gesundheit/Krankheit wer­den die­se Fra­ge­stel­lun­gen in der The­sis sys­te­ma­tisch abge­ar­bei­tet, dis­ku­tiert und zusam­men­ge­führt. Und damit ist gleich­zei­tig auch der Schwer­punkt die­ser Arbeit the­ma­ti­siert: Die­ser liegt beim soge­nann­ten Beschrei­bungs- und Erklä­rungs­wis­sen bzw. beim Her­aus­ar­bei­ten der sozia­len Dimen­si­on für die Ent­ste­hung und Behand­lung von psy­chi­schen Krank­hei­ten bzw. zur Stär­kung von Gesun­dungs­pro­zes­sen. Denn obwohl von der WHO ein bio-psy­cho-sozia­les Modell von Gesund­heit und Krank­heit vor­ge­legt wird, ist über die genaue Bedeu­tung der sozia­len Sys­tem­ebe­ne sowohl für die Ent­ste­hung wie auch für die Behand­lung von Gesund­heits­stö­run­gen noch wenig bekannt.

Das Ergeb­nis ist eine for­schungs­ba­sier­te Kon­zep­ti­on, wel­che zur Beschrei­bung der sozia­len Dimen­si­on eine bio­gra­phi­sche Zeit­kom­po­nen­te wie auch eine mehr­di­men­sio­na­le Ver­hält­nis­kom­po­nen­te umfasst. Im Wei­te­ren wird von der Auto­rin ein spe­zi­fi­scher Erklä­rungs­bei­trag der Kli­ni­schen Sozia­le Arbeit zur sozia­len Dimen­si­on psy­chi­scher Krank­heit und Gesund­heit aus einer bio-psy­cho-sozio­kul­tu­rel­len Per­spek­ti­ve ent­wi­ckelt. Ein beson­de­rer Fokus liegt hier­bei auf den dyna­mi­schen Ebe­nen­über­gän­gen. Mit die­sem Erklä­rungs­bei­trag kann nun gezeigt wer­den, wie in kreis­kau­sa­len Pro­zes­sen die bio­lo­gi­schen und psy­chi­schen Phä­no­me­ne das Lebens­füh­rungs­sys­tem eines Men­schen beein­flus­sen bzw. wie indi­vi­du­ell moti­vier­te Hand­lun­gen des Indi­vi­du­ums inner­halb einer bestimm­ten Posi­ti­ons- und Inter­ak­ti­ons­struk­tur in sei­ner Lebens­füh­rung auf orga­nis­mus­in­ter­ne bio-phy­sio­lo­gi­sche und neu­ro-psy­cho­lo­gi­sche Pro­zes­se zurück­wir­ken.

Aus die­sem dyna­mi­schen Ver­ständ­nis des Gesche­hens wer­den schliess­lich Fol­ge­run­gen für die dif­fe­ren­zier­te Beschrei­bung der sozia­len Dimen­si­on psy­chi­scher Krank­heit – bspw. in einem dia­gnos­ti­schen Ver­fah­ren – abge­lei­tet, die Ziel­set­zun­gen der Kli­ni­schen Sozia­len Arbeit in der Psych­ia­trie und ihre Funk­ti­on in der inter­pro­fes­sio­nel­len Zusam­men­ar­beit umris­sen sowie Inter­ven­ti­ons­mo­di for­mu­liert.

In ihrem Ergeb­nis skiz­ziert die Arbeit somit eine arbeits­feld­be­zo­ge­ne Hand­lungs­theo­rie Kli­ni­scher Sozia­ler Arbeit und ver­deut­licht, dass die sozia­le Dimen­si­on für die psy­chi­sche Krank­heit und Gesund­heit in einem hohen Mas­se bedeut­sam ist und ihre Rele­vanz in der psych­ia­tri­schen Behand­lungs­pla­nung nicht mehr unter­schätzt wer­den darf.