Coping bei Kindern psychisch erkrankter Eltern

Kin­der psy­chisch kran­ker Eltern erle­ben häu­fig viel­fäl­ti­ge Belas­tun­gen. Die­se resul­tie­ren sowohl direkt aus der Erkran­kung der Eltern als auch aus der sich dadurch meist ver­än­dern­den sozia­len Situa­ti­on und der nach wie vor bestehen­den gesell­schaft­li­chen Stig­ma­ti­sie­rung von psy­chisch Erkrank­ten. Die betrof­fe­nen Kin­der gel­ten als Risi­ko­grup­pe, selbst psy­chisch zu erkran­ken. Eini­ge Kin­der schei­nen die belas­ten­de Situa­ti­on jedoch bes­ser zu bewäl­ti­gen und ent­wi­ckeln kei­ne psy­chi­schen Auf­fäl­lig­kei­ten (Mat­te­jat 2011, S. 68 ff.; Plass & Wie­gand-Gre­fe 2012, S. 19 ff.). Die­se Kin­der kön­nen wahr­schein­lich auf Schutz­fak­to­ren zurück­grei­fen, die die gege­be­nen Risi­ken abpuf­fern. Hier­bei spielt auch das Bewäl­ti­gungs­ver­hal­ten der Kin­der eine gro­ße Rol­le (Lenz & Kuhn 2011, S. 278). Oft wir­ken die betrof­fe­nen Kin­der sehr selbst­stän­dig und spre­chen eher sel­ten mit Außen­ste­hen­den (Lenz 2005, S. 27 ff.). Nur man­che Kin­der reagie­ren mit exter­na­li­sie­ren­den Auf­fäl­lig­kei­ten (Scho­ne & Wagen­blass 2002, S. 17). Spe­zi­fi­sche Kennt­nis­se über die Belas­tun­gen der Kin­der und deren Bewäl­ti­gung sind somit Vor­aus­set­zung, um Pro­blem­la­gen nicht zu über­se­hen, Inter­ven­tio­nen ein­lei­ten zu kön­nen und funk­tio­na­les Coping zu för­dern. Bis­lang lie­gen jedoch nur weni­ge Stu­di­en zum Coping der Betrof­fe­nen vor. Ent­spre­chend wid­met sich die Mas­ter­the­sis der Fra­ge, wie Kin­der psy­chisch kran­ker Eltern die Belas­tun­gen bewäl­ti­gen, die sich durch das Auf­wach­sen mit ihren Eltern erge­ben kön­nen. Es wer­den Belas­tun­gen der Kin­der, ihr Umgang mit die­sen und mög­li­che Ein­fluss­fak­to­ren auf das Coping­ver­hal­ten in den Blick genom­men.

Die Lebens­ge­schich­ten von drei erwach­se­nen Kin­dern psy­chisch erkrank­ter Eltern wer­den an Hand der struk­tu­rie­ren­den qua­li­ta­ti­ven Inhalts­ana­ly­se aus­ge­wer­tet (May­ring, 2002; May­ring, 2010b, S. 65 f.). Die Inter­view­ten berich­te­ten von mul­ti­plen Belas­tun­gen in Zusam­men­hang mit der psy­chi­schen Erkran­kung ihres Eltern­teils. Ihre Bewäl­ti­gungs­ver­su­che zeich­ne­ten sich durch hohe Selbst­stän­dig­keit aus, sozia­le Unter­stüt­zung nah­men sie kaum in Anspruch. Im Erwach­se­nen­al­ter lit­ten sie unter ande­rem unter Iden­ti­täts­pro­ble­men und Wert- und Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit. Ihre in der Kind­heit erwor­be­nen Coping­stra­te­gi­en setz­ten sie fort. Letzt­lich beschrie­ben sie das Auf­tre­ten eige­ner psy­chi­scher Auf­fäl­lig­kei­ten als Wen­de­punkt in ihrem Leben, da es zur Ent­wick­lung alter­na­ti­ver Coping­stra­te­gi­en führ­te. Unter­stüt­zend für eine erfolg­rei­che Bewäl­ti­gung wirk­ten fein­füh­li­ge Bezugs­per­so­nen und eine Ent­ta­bui­sie­rung psy­chi­scher Erkran­kun­gen.

Die Unter­su­chungs­er­geb­nis­se unter­strei­chen die Annah­me, dass „unauf­fäl­li­ge“ Kin­der nicht zwangs­läu­fig unbe­las­tet sind. Ent­spre­chen­des Fach­wis­sen schärft den Blick für die­se Pro­ble­ma­tik und ermög­licht es den Fach­kräf­ten, auf die­se Kin­der auf­merk­sam zu wer­den. Zudem wird auf­ge­zeigt, wel­che Coping­stra­te­gi­en und Schutz­fak­to­ren zu einer erfolg­rei­chen Bewäl­ti­gung bei­tra­gen kön­nen.

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