Beitrag 2: Neue Sozialtherapie-Richtlinie: Alte Probleme

Am 15. April 2015 ist nach lang hin­ge­zo­ge­nen Ver­hand­lun­gen in der Arbeits­grup­pe Sozio­the­ra­pie des Gemein­sa­men Bun­des­aus­schus­ses die neue Sozio­the­ra­pie-Richt­li­nie in Kraft getre­ten. Die Erwar­tun­gen sei­tens der Sozio­the­ra­peu­ten waren dar­auf gerich­tet, mit der neu­en Richt­li­nie end­lich die Vor­aus­set­zun­gen zu schaf­fen, damit sich der gesetz­li­che Anspruch von schwer psy­chisch erkrank­ten Men­schen auf eine qua­li­fi­zier­te ambu­lan­te Beglei­tung im häus­li­chen Wohn­um­feld erfül­len kann. Wel­che Erwar­tun­gen bestan­den im Ein­zel­nen und wel­che Ant­wort hat die neue Richt­li­nie hier­auf gefun­den?
Leis­tungs-Anspruch
Schon die alten Richt­li­ni­en von 2001 spre­chen bei der Sozio­the­ra­pie von einer Kann-Leis­tung (Ziff. 2), auf die man ärzt­li­cher­seits auch dann ver­zich­ten könn­te, wenn die Vor­aus­set­zun­gen zur Ver­ord­nung
gege­ben sind. Die­ser unver­bind­li­che Cha­rak­ter hat zur Fol­ge gehabt, dass die aller­meis­ten von den Richt­li­ni­en ange­spro­che­nen Fach­ärz­te die erfor­der­li­che Geneh­mi­gung der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung zur Ver­ord­nung von Sozio­the­ra­pie erst gar nicht bean­tragt haben. Man­che ver­zich­te­ten des­halb dar­auf, weil es in ihrem Umfeld an Sozio­the­ra­peu­ten fehl­te und es kei­nen Sinn mach­te, ein Heil­mit­tel zu ver­ord­nen, das sich die Pati­en­ten nicht beschaf­fen kön­nen. Vie­le haben aber nicht ein­mal dies wirk­lich geprüft.