ZKS-Verlag

Ein interpersonell und intrapersonell integrierendes Vorgehen in der Klinischen Sozialarbeit ... Geht das?

AutorInnen:

André Bräutigam

Schlagworte:

Klinische Sozialarbeit Methoden Therapie Sozialarbeitswissenschaft Mentalisierung

Datum:

17.12.2017

Seiten:

104 Seiten

Eine Betrachtung der Integrationsmöglichkeit des Mentalisierungskonzepts in die psycho-sozial behandelnde Tätigkeit und den disziplinären Rahmen der Klinischen Sozialarbeit.

Die Klinische Sozialarbeit zielt, unter Berücksichtigung des bio-psycho-sozialen Modells und der Personin-Environment-Perspektive, auf eine psycho-soziale Behandlung ab. Es ist ein Vorgehen, das sowohl interpersonelle sowie intrapersonelle Aspekte aufgreift und vereint behandelt. Eine Verfahrensweise, die nicht nur im Kontext der hard to reach Klienten von Bedeutung ist, denn die Vernachlässigung oder die Konzentration auf nur einen Aspekt führt weder zu einem passenden Gefüge von Individuum und Umwelt noch zu einer nachhaltigen gesundheitsfördernden Veränderung. Als erschwerend können daher ebenfalls institutionelle Trennungen der Versorgungsbereiche, sowie einseitige Fokussierungen auf Psychotherapie oder eine strikte Sozialsystemorientierung angesehen werden. In der Folge können den Klienten nicht hinreichend adäquate Unterstützungsleistungen unterbreitet werden, die für eine umfassende Fallbearbeitung vorauszusetzen sind. Weiterhin stellt eine einseitige Vorgehensweise ebenso die Professionellen vor eine Herausforderung, da teils beeinflussende und problemaufrechterhaltende Faktoren aus anderen Bereichen ausgemacht werden. Deren Bearbeitung setzt im Sinne einer sozialtherapeutischen Behandlung eine spezifische Handlungskompetenz für einer inter- und intrapersonelle Vorgehensweise voraus.

Doch gerade für diesen Anspruch wird die Klinische Sozialarbeit innerhalb der eigenen Disziplin als auch von außen kritisiert.

Die Verbindung der inter- und intrapersonellen Vorgehensweisen wird in dieser Arbeit aufgegriffen und durch den Capability Approach theoretisch fundiert. Weiterhin liegt der Schwerpunkt auf der sozialen Unterstützung und der sozialen Dimension von Gesundheit und Krankheit, die nicht zuletzt die Bedeutung klinisch sozialarbeiterischer Interventionen hervorhebt. In einer diskursiven Auseinandersetzung werden die Befürchtungen der Kritiker bezüglich einer behandelnden Klinischen Sozialarbeit aufgegriffen und auf ihre Plausibilität überprüft. Die Bedeutung der multimodalen Vorgehensweisen der Klinischen Sozialarbeit wird als eine zwangsläufige Notwendigkeit herausgestellt und im Zuge der weiteren Professionalisierung und der Methodenvielfalt die Integration des Mentalisierungskonzepts in den disziplinären Rahmen der Klinischen Sozialarbeit vorgeschlagen. Dieses Konzept, welches im internationalen Raum durchaus viel Zuspruch erfährt, bietet sich als Bindeglied für die Klinische Sozialarbeit an, die wechselseitigen Zusammenhänge von innerpsychischen und sozialsystemischen Bedingungen vereint zu betrachten und dementsprechend zu behandeln.

Kann also ein, aus dem psychotherapeutischen Sektor kommendes Konzept, die Klinische Sozialarbeit in theoretischer Hinsicht bereichern, die psycho-soziale Behandlung im Sinne einer sozialtherapeutischen Intervention ergänzen, ohne die eigene sozialarbeiterische Identität aufzugeben und eine angeblich drohende Re-Therapeutisierung der Sozialen Arbeit zu befeuern?

ISBN Online: 978-3-947502-03-5